Sydneys größte SchiffstragödieDunbar

Die Dunbar wurde 1854 speziell für den aufstrebenden Handel und das steigende Passagieraufkommen zwischen London und Sydney gebaut. Sie war mit 1321 Registertonnen damals eines der größten Handelsschiffe. Am 31. Mai 1857 ist die Dunbar von London aus in Richtung Australien in See gestochen. Die Überfahrt verlief bemerkenswert ruhig. Das Wetter war gut und der Wind blies gleichmäßig in die Segel, so dass die Besegelung während der gesamten Überfahrt nicht geändert werden musste. Doch am Abend des 81. Tages als die Dunbar die Botany Bay passierte, verschlechterte sich das Wetter. Die Dunkelheit brach herein und orkanartige Winde und häufige Sturmböen verschlechterten die Landsicht. Stürme waren eigentlich eine normale Sache für Schiff und Besatzung und stellten nur eine geringe Gefahr für die Sicherheit des Schiffes dar. Wäre die Dunbar noch weiter vom Zielhafen entfernt gewesen, hätte Kapitän Green das Schiff bis zum Tagesanbruch weiter aufs offene Meer gesteuert und dort den Sturm sicher unbeschadet überstanden. Da er jedoch mit dem Küstenverlauf vertraut war und seine Position auf weniger als 20 Kilometer vom Zielhafen entfernt einschätzte, hatte er entschieden, trotz des Unwetters den Hafen von Sydney anzusteuern.

Macquarie LighthouseEiner häufig angewendeten Navigationsphilosophie zufolge, segelte er weiter die Küste entlang mit der Absicht, in die Hafeneinfahrt abzudrehen, wenn entweder die Klippen nördlich der Hafeneinfahrt oder der Macquarie Leuchtturm, welcher sich 1,6 Kilometer südlich der inneren Hafeneinfahrt befindet, backbords zu sehen war. Wegen des schlechten Wetters, gab es allerdings keine Chance die Klippen des North Heads zu sehen. Plötzlich jedoch tauchte der Leuchtturm im Regen auf der Backbordseite auf. Kapitän Green dachte, das ist die richtige Position um die Hafeneinfahrt zu treffen und steuert sein Schiff in Richtung Küste. Durch häufige Sturmböen, welche die Sicht behinderten, und somit ohne ständigen Bezugspunkt zum Leuchtturm, welcher damals das einzig verfügbare Navigationslicht für aus dem Süden kommende Schiffe war, konnte Kapitän Green nicht wissen, dass die schwere See sein Schiff ständig nach Süden und in Richtung der Klippen drückte.

Als Kapitän Green die Gefahr erkannte, brüllte er das Kommando „Ruder nach Steuerbord“ und versuchte, das Schiff in den Nord-Ost Wind zu drehen, um es wieder auf die offene See zu lenken. Die Dunbar schlingerte eine Weile durch die Wellentäler parallel zu den Klippen, während die Besatzung sich abmühte, wieder Kontrolle über das Schiff zu bekommen - aber es war zu spät. Gigantische Wellen hoben das dem Untergang geweihte Schiff an und schleuderten es auf eine Felsplattform. Der Schiffsrumpf riss auf mit donnerndem Bersten, die drei Toppmasten brachen ab und stürzten ins Meer. Es war kurz vor Mitternacht am 20. August 1857 als die Dunbar ihr tragisches Ende fand, nur wenige Kilometer entfernt von ihrem Reiseziel, dem rettenden Hafen von Sydney.

Nur eine Person, James Johnson, ein Besatzungsmitglied überlebte das Unglück. Während der folgenden James JohnsonUntersuchungen konnte er praktisch jeden Moment der schicksalhaften Reise der Dunbar beschreiben, allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, als er über Bord gespült wurde. Seine Erinnerung setzte erst wieder ein, als er sich eingeklemmt in einer Felsspalte 10 Meter oberhalb der Wellen wiederfand.

Der Verlust der Dunbar wurde erst bemerkt, als große Mengen Treibgut in den Hafen geschwemmt wurden. Am folgenden Tag wurde Alarm ausgerufen und riesige Menschenmassen säumten die Klippen und starrten entsetzt auf das makabere Schauspiel von antreibenden toten Körpern und Wrackteilen, die an die Felsen gespült wurden. Die Rettungsarbeiten und Bergung der Toten liefen bereits seit 36 Stunden, bevor James Johnson halb tot in den Felsen entdeckt wurde.

121 Menschen verloren bei der Tragödie ihr Leben. Unter ihnen waren zurückkehrende Kolonialisten, prominente Bürger Sydneys sowie Einwanderer, die bereits Familienangehörige in Sydney hatten und erwartet wurden. Somit war fast jeder in Sydney persönlich betroffen und verbunden mit der Tragödie. Die ganze Stadt trauerte. In einer darauf folgenden Anhörung wurde Kapitän Green von der Verantwortung für das Unglück entbunden. Als Ursache wurden mangelhafte Lotsenvereinbarungen sowie zu wenige Lichter an den Klippen angesehen.

Die Dunbar ruhte 50 Jahre ungestört auf dem Meeresgrund, hauptsächlich wegen Unsicherheit über die genaue Position des Schiffswracks. Erst 1907 hat ein eifriger Schiffswracksucher den Anker der Dunbar von der Wasseroberfläche aus entdeckt. Er wurde 1910 gehoben und am „The Gap“ permanent ausgestellt.

Für weitere 40 Jahre ruhte die Dunbar in Frieden bis Mitte der 50er Jahre durch das Aufkommen moderner Tauchtechnologie private Souvinierjäger 30 Jahre lang das Schiffswrack plünderten. Seit 1989 ist die Dunbar geschützt durch Commonwealth Recht. Freizeittaucher können das Wrack besuchen. Sie werden sogar ermutigt, sich mit ihrem Erbe vertraut zu machen, doch nichts darf beschädigt oder entnommen werden ohne Erlaubnis des NSW Heritage Office.

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