Der Strand und die vier Elemente

Die 4 Elemente

Die vier Elemente: Erde, Wasser, Luft und Feuer kann man am Strand bestens erfahren.

Mehrmals in der Woche, abhängig vom Wetter, waren wir am Strand, dem idealen Ort zum entspannen, seine Gedanken schweifen zu lassen und über alles Mögliche nachzudenken. So bin ich auch auf die vier Elemente gekommen, denn ich fühlte mich ihnen in diesen Momenten sehr nahe oder man könnte auch sagen, hilflos ausgesetzt.

Am Strand liegen und den Sandboden spüren verbindet mit dem Element Erde. Man spielt mit den Händen im Sand, nimmt eine handvoll davon und lässt ihn durch die Finger rieseln, erstellt Muster oder ebnet ihn um eine körpergerechte gemütliche Liegefläche zu erhalten. Man fühlt seine Wärme und stellt sich vor, wie es wäre, wenn man so ein Stück Strand zu Hause hätte.

Anders ist es im Alltag, wenn wir die Erde nur mit unseren Schuhsohlen berühren, in Gedanken sind und wiederum gedankenlos darauf herumtrampeln. In solchen Momenten haben wir eher keinen Kontakt zum Element Erde.

Das zweite Element ist Wasser. Was mich daran fasziniert ist die unendliche Weite des Ozeans. Diese unvorstellbare Wassermenge, die zwei Drittel der Erdoberfläche bedeckt und viele unterschiedliche Lebewesen beheimatet, erfüllt mich mit Ehrfurcht. Wenn ich von einem Strand in Sydney aufs Meer blicke, liegen 4.000 Kilometer Land hinter mir und 10.000 Kilometer Wasser vor mir, die man überqueren müsste um den nächsten Kontinent zu erreichen. Die Dimensionen sind einfach gewaltig.

Auch die Tiefe des Meeres ist unvorstellbar. Die tiefste Stelle im Meer, der „Marianen Graben“, er ist über 2000 Meter tiefer als der höchste Berg der Erde.

Sehr beeindruckend ist für mich die Kraft des Meeres, wenn ich beobachte wie die Brandung unaufhörlich die Klippen umspült und dabei oft bizarre Felsformationen erschafft - und das schon seit tausenden von Jahren.

Der Strand ist der Übergang zwischen den Elementen Erde und Wasser. Wenn wir diese Grenze überschreiten, mit einem Boot oder uns selbst in die Wellen stürzen, ist es ein vollkommen anderes Gefühl, als wenn wir uns auf dem heimatlichen Element Erde bewegen. Die Tatsache, dass Wasser nicht unser Urelement ist, macht es allerdings gerade interessant für uns. Vielleicht auch deswegen, weil wir uns in einem Grenzbereich befinden und wir unser Urelement Erde vorübergehend verlassen haben. Wir kämpfen uns mutig durch die Wellen, oft mit dem leicht mulmigen Gefühl, dass ein Hai mal Lust haben könnte, an unserm großen Fußzeh zu knabbern – besser einfach nicht daran denken! Nicht umsonst sagt man auch von einem guten Schwimmer, “er befindet sich in seinem Element”. Wenn wir dann abgekühlt und erfrischt aus den Wellen schreiten, freuen wir uns auf die Sonne.

Die Sonne symbolisiert das Element Feuer und gehört einfach zu einem perfekten Strandbesuch. Sie erwärmt unseren ausgekühlten Körper und wir genießen sie auf unserer Haut, zumindest so lange, bis sie uns wieder in das erfrischende Element Wasser treibt. Klingt vielleicht alles etwas pathetisch, aber die Gedanken sind frei und besonders am Strand von Bondi Beach. Man kann natürlich auch einfach die Leute rundum beobachten. Die Boys and Girls, die ihr Handy immer griffbereit haben um nur keinen Anruf zu verpassen und um ihren Freunden mitteilen zu können, wo sie zu finden sind. „I am right here next to blue Beach umbrella, can you see me? I am waving - no no, not this way, turn your head to the right, yeah – see ya in a minute”. Und so kann es passieren, dass es plötzlich eng wird, denn ein Handtuch passt immer noch dazwischen. Plötzlich ist man ungewollt fast Teil der Gruppe. Die Strandruhe ist zwar dahin, aber dafür kann man erfahren, was australische Jugendliche beschäftigt.

Erstaunlich, wie wenig sich gerade die jungen Leute um die Gefahren zu hoher Sonnenstrahlung scheren. Hauptsache knackig braun. Sonnenschirme verwenden nur etwas ältere Sonnenanbeter, wie wir. Auch wenn er zum Strand geschleppt werden muss und es vielleicht etwas spießig aussieht, gibt es jedoch immer mehr davon und man kann sie mittlerweile überall kaufen. Das war nicht immer so. Ich erinnere mich noch, als wir vor acht Jahren extra zu einem Spezialgeschäft für Campingausrüstung in der Paramatta Road fahren mussten, um einen Sonnenschirm zu finden.

Unser Strandnachbar der Grieche in Bondi North, den wir schon seit Jahren kennen, hat auf jeden Fall einen Sonnenschirm, einen dunkelblauen und der ist sogar in Google Earth zu erkennen. Er hat genau wie wir seinen Stammplatz direkt unterhalb des North Bondi Surfclubs. Wenn man sich längere Zeit in Sydney aufhält und seinen Lieblingsstrand und Lieblingsplatz gefunden hat, trifft man um sich herum immer wieder die gleichen Leute.

Die jungen Leute an Bondi Beach haben auf jeden Fall keine Sonnenschirme und belassen es bei Handy, Handtuch und vielleicht noch einer Kopfbedeckung. Manchmal gehört noch ein Buch dazu. Vor den schädlichen Folgen eines zu langen Sonnenbades wird in Radio- und Fernsehspots ständig gewarnt. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, T-Shirt und Kopfbedeckung werden dringend empfohlen. Das Ozonloch lässt grüßen.

Apropos Ozon, da kommen wir gleich zum nächsten Element, Luft. Sie ist klar und der Himmel erscheint blauer als auf der nördlichen Hemisphäre, was Flugzeuge oft nutzen um etwas an den Himmel zu schreiben. Das erinnert mich wieder an „The big Sorry“. Die Luft, beziehungsweise die Atmosphäre stellt auch einen eigenen Ozean dar, nämlich den großen Luftozean wie Tim Flannery, der Australier des Jahres 2007, es in seinem Buch „Wir Wettermacher“ beschrieben hat. Die genaue Beschaffenheit des Luftozeans und die Folgen für die Menschheit durch nur geringfügige Veränderung - ich erwähne hier nur CO² Emission - ist vielen Menschen zwar bewußt, aber wer denkt schon daran, wenn man am Strand liegt, die salzige Meeresluft atmet und sich dabei wohl fühlt.

Hier fällt mir gerade noch mein „Selbstaufblasbares Strandkissen“ ein. Wenn man den Stöpsel öffnet, geht die Luft rein und es wird prall und dick. Zum Luft ablassen wird es einfach aufgerollt und dann schnell mit dem Stöpsel geschlossen, damit das Element Luft draußen bleibt. Das Kissen gibt es übrigens im gleichen Laden, wo wir vor acht Jahren unseren Sonnenschirm gekauft haben. Umdenken ist also erforderlich, woran man sich in Australien schnell gewöhnt, denn die Autos fahren links, der Fahrer sitzt rechts, die Sonne steht mittags im Norden und ist im Süden nie zu sehen, im Januar ist Sommer und im Juli kann es unangenehm kalt werden, im Norden ist es wärmer als im Süden, und aus der Badewanne läuft das Wasser anders herum ab. Dann ist es doch nicht mehr verwunderlich, dass die Luft rein geht, wenn der Stöpsel gezogen wird, oder?

So, nun genug über die vier Elemente philosophiert, ich gehe jetzt mal über die Straße und hole uns bei Hobbit’s einen Kaffee und dann sehen wir weiter.

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